Ferien im Schwarzwald - Oktober 2012

72 Personen von 2 bis 86 Jahren reisten mit einem Car und einigen Privatautos am 7. Oktober 2012 auf den Dobel in den Nordschwarzwald, um gemeinsam eine Ferien- und Trainingswoche im EC-Freizeitheim zu verbringen. Unihockey Zell-Turbi mit 26 Kindern im Schulalter und ihren Leitern hatte sich auf ein intensives Jugend+Sport-Trainingscamp vorbereitet. Die anderen Teilnehmer freuten sich auf Gemeindeferien mit viel Zeit für Spaziergänge, Spiele und Ausflüge.

Dobel ist ein Kurort auf einem Hochplateau zwischen dem Enz- und dem Albtal. Die Einheimischen betonen die Lage des Dorfes auf dem Bergrücken: Sie wohnen nicht in Dobel, sondern «auf dem Dobel». Das Sonnenparadies, auf das die Tösstaler sich gefreut hatten, zeigte sich leider in diesen Tagen von der grauen Seite. Die Ferienfreude und den Spass hat dies jedoch kaum getrübt.

Sport vom Morgen bis zum Abend

Die drei Trainingsgruppen von Unihockey Zell-Turbi begannen den Tag jeweils mit freiwilligen Frühsport. Mal wurde draussen eine Runde gejoggt, mal in der Halle Fussball-Tennis gespielt.
Bis zum reichhaltigen Frühstück waren dann alle wach. Und meist ging es dabei an den Tischen im grossen Speisesaal schon sehr lebhaft zu. Nach dem Abtrocknen gab es bis zum Mittag einen intensiven Trainingsblock. In der Doppelturnhalle des Freizeitzentrums waren mit den mitgebrachten Banden zwei Spielfelder eingerichtet. So konnten die jüngeren und älteren Unihockeyaner gleichzeitig auf verschiedenen Niveaus trainieren. Am Nachmittag folgte dann ein polysportives Ausgleichsprogramm mit Outdoor-Games, Schwimmbadbesuch oder Geländespiel.
Nochmals richtig hitzig ging's dann vor dem Nachtessen zu und her beim freiwilligen Unihockeyspielen. Bei diesen Plausch-Matchs wagten sich immer auch einige Teilnehmer der Gemeindeferien, vornehmlich Eltern der Unihockeyaner, aufs Spielfeld.

Unterwegs mit Jung und Alt

Auch die Teilnehmer der Gemeindeferien hatten ein attraktives Programm, das je nach Wetter etwas angepasst wurde. Eine warme Regenjacke und Kappe gehörten dabei zur Grundausrüstung. Der nahe Wald und die «Volzemer Steine», eine Ansammlung von riesigen Felsbrocken, luden die jüngeren Kinder zum Spielen, Werken und Herumklettern ein. Die Senioren bevorzugten die vielen Wanderwege und freuten sich über den farbigen Herbstwald und die abwechslungsreiche Umgebung.

 

Alex Flor, der Pastor der Chrischona Wila, ist in der Nähe von Dobel aufgewachsen. Seine Eltern begleiteten die verschiedenen Ausflüge und waren perfekte Reiseführer. Ob es um die Klosterruine Frauenalb ging, die Kurbäder Herrenalb und Wildbad, oder um die Kriege und Wirren in diesem Grenzgebiet zwischen dem eher katholischen Baden-Baden und dem früh reformierten Württemberg, die Eltern Flor wussten viel Spannendes zu erzählen.Etwas Spezielles ist der 5.5 Kilometer lange Europaweg, der rund um die Ortschaft führt. Entlang dieser Route findet man für jedes der 27 EU-Länder eine in den Landesfarben bemalte Sitzbank. Für den Dienstag war ein Europa-Postenlauf geplant. Bei jeder Bank sollte eine speziell zu diesem Land passende Aufgabe gelöst werden. Wegen des Regenwetters mussten die Posten dann im ganzen Freizeitheim verteilt werden. Trotzdem waren Gross und Klein, Unihockeyaner und Gemeindeleute mit vollem Engagement dabei. Da wurden Wissensfragen gelöst, (Holz-)Pilze eingesammelt und Papierschiffe ans Ziel geblasen; es mussten möglichst viele Treffer ins Unihockey-Tor befördert oder auch Kraft- und Geschicklichkeitsübungen gelöst werden.

Ausflug in die Goldstadt Pforzheim

Der Tagesausflug am Mittwoch führte nach Pforzheim, ins Zentrum der Region Nordschwarzwald. Während die Familien sich mit den Kindern auf den Weg zum Wildpark machten, erzählten Flors beim Stadtrundgang den Kulturinteressierten einiges über die interessante und tragische Geschichte dieser Stadt. Im Mittelalter verlegten die badischen Marktgrafen ihre Residenz dorthin. Der ganze Schlossbezirk wurde im 17. Jahrhundert jedoch von französischen Truppen drei Mal niedergebrannt. Übriggeblieben ist aus dieser Zeit leider nur noch die Schlosskirche mit der Gruft der badischen Grafen. Im 18. Jahrhundert hat sich Pforzheim zum weltweit grössten Zentrum der Schmuckindustrie entwickelt. Um 1800 gab es 900 Fabriken, die Schmuck und Uhren herstellten. Der Handel mit Edelmetallen, Juwelen und Schmuck machte Pforzheim zur Stadt der Millionäre. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Rüstungsindustrie immer wichtiger, und so wurde Pforzheim im 2. Weltkrieg zum Angriffsziel der Alliierten. Beim halbstündigen Bombardement im Februar 1945 wurde das Stadtzentrum zu 95% zerstört und 17'600 Menschen fanden den Tod. Nach dieser Katastrophe wurde Pforzheim schnell wieder aufgebaut.Heute prägt der Architekturstil der 50er Jahre das Stadtbild. Der Rundgang mit Flors führte durch die grosszügige Fussgängerzone, vorbei am modernen Kongresszentrum bis zum Schmuckmuseum, in dem Schmuckstücke aus fünf Jahrtausenden ausgestellt sind. Am späteren Nachmittag trafen sich auf dem Bahnhof beide Gruppen wieder zur gemeinsamen Rückfahrt hinauf auf den Dobel.

Anhalten zum Boxenstopp

Neben den sportlichen Aktivitäten und den Ausflügen bildete der «Boxenstopp» am Abend ein innere Verschnaufpause. Im grossen Saal wurden zuerst einige fröhliche Loblieder gesungen. Dann zeigte Prediger Alex Flor ein einfaches physikalisches Experiment vor, das er dann als Bild für eine Aussage über Gott und den Glauben verwendete. Dabei lud er alle ein, diese Einsichten gleich im Zusammenleben in dieser Ferienwoche auszuprobieren und anzuwenden.
Die Abende waren ausgefüllt mit Workshops oder verschiedenen Spielen. Oft sassen auch noch Gruppen in der gemütlichen Sitzecke der Cafeteria zusammen bis es Zeit wurde, unter die Bettdecken zu kriechen.

Der Höhepunkt der Woche war ein Casino-Abend. Ausgerüstet mit einem Startkapital von Spielgeld versuchten die Teilnehmer möglichst viel dazuzugewinnen. Dies konnten sie wie im richtigen Casino bei Roulette und Poker tun, oder mit kurzen Spielen wie Mühle, 4-gewinnt, Yahtzee oder Mikado. Einige versuchten ihr Spielglück auch mit einem Einsatz beim Armdrücken oder am Pingpongtisch oder beim Wetten, wer solche Spiele gewinnt. Um die heissen Köpfe zu kühlen verkauften die Barkeeper verschiedene alkoholfreie Drinks. Geld dafür war ja genug im Umlauf, und wer bankrott war, konnte durch Seilspringen wieder etwas verdienen.

Zum Abschluss ein totaler Einsatz

Wie im Flug waren die Ferientage vergangen, und schon galt es am Freitagmorgen wieder alles zusammenzupacken. Innert kürzester Zeit stapelten sich in der Eingangshalle die Taschen und Koffer auf einem grossen Haufen. Die Unihockey-Kids konnten kaum den Startpfiff des grossen Abschlussturniers erwarten. Angefeuert von den Zuschauern zeigten sie dann auf dem Spielfeld, was sie in diesen Tagen gelernt und eingeübt hatten. Fair und mit grosser Begeisterung gaben sie nochmals alles, was in ihnen steckte. Dabei waren ein gutes Zusammenspiel und schöne Passfolgen fast wichtiger als Tore. Die Gruppencoaches, die diese intensive Woche vorbereitet hatten, waren voll Lob und zufrieden mit ihren Kids.Den allerletzten Einsatz von allen brauchte es, als der Reisecar vorfuhr und das ganze Gepäck und Material eingeladen werden musste. Als der Car dann nach einiger Zeit auf der Autobahn war, wurde es immer ruhiger. Der sportliche Einsatz und die manchmal kurzen Nächte forderten ihren Tribut.Für das Organisationsteam von Unihockey-Zell und der Chrischona Wila war die Kombination von Trainingscamp und Gemeindeferienwoche ein Wagnis gewesen. Würden die unterschiedlichen Gruppen mit ihren Bedürfnissen harmonieren? Die Erlebnisse dieser Tage und viele positive Rückmeldungen zeigten, dass es allen gefallen hat. Die Eltern schätzten, dass ihre Kinder vom Unihockey-Team betreut waren. Vorbereitungen konnten auf ein grösseres Team verteilt werden. Bei vielen Aktivitäten konnten sich Jung und Alt ergänzen und es entstanden neue Beziehungen. Es scheint, dass sich das Wagnis gelohnt hat.